Ursachen für Darmprobleme

Ursachen für Darmprobleme

Probleme mit der Verdauung können ziemlich belastend sein – vor allem dann, wenn sie immer wieder auftreten. Die möglichen Ursachen sind vielfältig. Oft liegt auch eine gestörte Darmflora (Dysbiose) vor.

Probleme mit dem Darm: Ursachen können vielfältig sein

Bauchweh, Blähungen, Durchfall oder Verstopfung – Probleme mit der Verdauung zählen wohl zu den häufigsten Beschwerden überhaupt. In manchen Fällen verschwinden die Symptome rasch und ganz von selbst. Immer mehr Menschen klagen allerdings über wiederkehrende Beschwerden. Lesen Sie mehr über die möglichen Ursachen und erfahren Sie, welche Rolle eine gestörte Darmflora bei Verdauungsproblemen spielen kann.

Grundsätzlich können Symptome wie Bauchweh, Blähungen oder Stuhlveränderungen durch zahlreiche Ursachen ausgelöst werden. Zum Beispiel durch Ernährungsfehler, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Stress oder Nebenwirkungen von Medikamenten. Auch das sogenannte Reizdarmsyndrom, Zöliakie oder Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn kommen als Auslöser von wiederkehrenden Verdauungsproblemen infrage.

Was ist eine Dysbiose?

Von einer Dysbiose sprechen Ärzte, wenn die Darmflora gestört ist. Das kann sich äußern durch:

  • eine verminderte Vielfalt an Darmbakterien und/oder
  • ein Ungleichgewicht der Bakterienstämme im Darm.

Mögliche Ursachen im Überblick:

Zu große Portionen, kalorienreiche Mahlzeiten oder hastiges Essen unter Stress – wird die Verdauung durch ungünstige Ernährungsgewohnheiten überlastet, kann dies unangenehmes Bauchdrücken oder Blähungen zur Folge haben. Normalerweise vergehen die Beschwerden nach kurzer Zeit. Dennoch sollten Betroffene versuchen, sich fürs Essen mehr Zeit zu nehmen und die täglichen Mahlzeiten bewusst einzuplanen.

Die typische westliche Ernährungsweise ist gekennzeichnet durch einen hohen Anteil an Fertigprodukten, Zucker, Weißmehl und Fleisch. Der Ballaststoffgehalt ist hingegen zu niedrig. Das kann nicht nur die Verdauung träge machen und Verstopfung auslösen. Auch die Darmbakterien leiden, wenn sie nicht mit ausreichend Ballaststoffen versorgt werden und stattdessen Fast Food vorgesetzt bekommen. Konservierungsstoffe, die das Bakterienwachstum in Lebensmitteln verhindern sollen, wirken sich zudem offenbar ebenfalls negativ auf die Darmbakterien aus. Übrigens: Künstliche Süßungsmittel wie etwa Sorbit können – wenn sie in größeren Mengen aufgenommen werden – Durchfall hervorrufen.

Noroviren, Salmonellen oder E.coli-Bakterien – es gibt zahlreiche Erreger, die eine Magen-Darm-Infektionen auslösen können. Zu den typischen Symptomen zählen Durchfall, Bauchweh, Übelkeit, Erbrechen und Fieber. Die Ausprägung der Symptome und die Dauer der Erkrankung hängen vom Krankheitserreger und vom Gesundheitszustand der Betroffenen ab. Normalerweise ist nach wenigen Tagen das Schlimmste überstanden. Insbesondere für Babys, Kleinkinder und ältere bzw. geschwächte Menschen können die Flüssigkeitsverluste durch Erbrechen und Durchfall gefährlich werden. Gut zu wissen: Durch solche Magen-Darm-Infektionen wird auch die natürliche Darmflora angegriffen und gerät aus dem Gleichgewicht.

Wenn Inhaltsstoffe aus Lebensmitteln wie Milchzucker (Laktose) oder Fruchtzucker (Fruktose) nicht richtig verdaut oder aufgenommen werden können, sorgt dies für Turbulenzen im Darm. Bauchschmerzen, Blähungen und Durchfall sind die typischen Beschwerden. Seltener sind echte Lebensmittelallergien, bei denen das Immunsystem auf eigentlich harmlose Substanzen wie zum Beispiel auf Hühnereiweiß oder Erdnüsse allergisch reagiert. Sie können sich mit Magen-Darm-Problemen äußern, es können aber auch Hautreaktionen, Atemnot und sogar Kreislaufversagen auftreten. Bei Laktose-Intoleranz wurde beobachtet, dass die Gabe von Probiotika oft zu einer Besserung der Beschwerden führt. Und auch bei Entstehung von Lebensmittelallergien kann der Darm eine Rolle spielen: So geht man heute davon aus, dass eine gestörte Darmbarriere die Entwicklung von Allergien und Autoimmunerkrankungen begünstigen kann.

Dass Stress die Verdauungsfunktion beeinflusst, ist hinlänglich bekannt. Akuter Stress führt zu einer Steigerung der natürlichen Darmbewegungen und kann auf diese Weise Durchfall auslösen. Typisches Beispiel ist der sogenannte „Angst-Durchfall“, der bei manchen Menschen in Stresssituationen auftritt. Chronischer Stress hingegen „lähmt“ die Verdauung und begünstigt so die Entwicklung einer Verstopfung (Obstipation). Stress wirkt sich außerdem auch negativ auf die Darmflora aus und kann unsere „Mitbewohner“ ganz schön aus dem Gleichgewicht bringen. Mehr erfahren

Verschiedene Arzneimittel können ebenfalls Nebenwirkungen auslösen, die den Magen-Darm-Trakt betreffen. Manche Medikamente machen den Darm träge und können Verstopfung auslösen. Dazu zählen unter anderem Opioide, Entwässerungsmittel (Diuretika) und Antidepressiva. Durchfall kann zum Beispiel als Nebenwirkung von Medikamenten gegen Sodbrennen (Protonenpumpenhemmer und magnesiumhaltige Säurebinder), Schmerzmitteln, Vitamin C-haltigen Präparaten und dem Schilddrüsenhormon Thyroxin auftreten. Auch während oder nach der Behandlung mit Antibiotika kann es zu Durchfall kommen. Oft liegt dieser in einer Störung der Darmflora begründet. Nachteilige Effekte auf die Darmflora haben neben Antibiotika beispielsweise auch Säureblocker wie Protonenpumpenhemmer oder magnesiumhaltige Antazida, Schmerzmittel und Kortison.

Antibiotika werden bei bakteriellen Infektionen eingesetzt. Das Problem: Sie können nicht zwischen den „schlechten“ Bakterien und den „guten“ Darmkeimen unterscheiden, sondern töten alle ab. Wie man heute weiß, gerät deshalb die Darmflora nach einer Antibiotika-Behandlung oft aus dem Gleichgewicht. Dann können sich krankmachende Keime leicht vermehren – und zu Durchfall führen. Mehr erfahren über „Antibiotika-assoziierten Durchfall“.

Die Zöliakie gilt als Mischform aus Allergie und Autoimmunerkrankung. Bei Betroffenen löst die Zufuhr von glutenhaltigen Nahrungsmitteln (z. B. Weizen, Roggen, Gerste) eine Entzündung im Dünndarm aus. Zu den häufigen Symptomen zählen Bauchschmerzen, chronischer Durchfall und Gewichtsverlust. Aber auch Verstopfung, Zahnverfärbungen oder -fehlentwicklungen, ein verminderter Kalk-Gehalt der Knochen (Osteopenie) sowie chronische Müdigkeit zählen zu den möglichen Symptomen. Betroffene müssen ihr Leben lang eine strikt glutenfreie Diät einhalten.

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen gehen ebenfalls mit Durchfall, Bauchschmerzen und oft auch Gewichtsverlust einher. Patienten weisen eine veränderte Darmflora auf. Ob es sich dabei um eine Ursache oder eine Folge der Erkrankung handelt, ist bislang noch unklar. Mehr erfahren

Chronische Bauchbeschwerden wie Bauchschmerzen und Blähungen werden von Durchfall und/oder Verstopfung begleitet. Häufig treten die Symptome nach den Mahlzeiten auf und führen zu einer deutlichen Beeinträchtigung der Lebensqualität. Was viele nicht wissen: Bakterielle Darminfekte zählen zu den möglichen Auslösern des Reizdarmsyndroms. So ist das Risiko für das Reizdarmsyndrom nach einem Darminfekt mit Bakterien um das 8- bis 15-fache erhöht. Gesichert ist auch, dass das Reizdarmsyndrom mit Veränderungen der Darmflora einhergeht.1 Mehr erfahren

Auch eine Blinddarmentzündung (Appendizitis), Geschwüre bzw. Tumoren kommen als Auslöser von Bauchbeschwerden infrage. Darüber hinaus können viele andere Erkrankungen wie etwa Diabetes mellitus oder Schilddrüsenerkrankungen mit Verdauungsproblemen einhergehen. Daher sollten Sie anhaltende Magen-Darm-Beschwerden nie auf die leichte Schulter nehmen.

Wichtig: Unklare Beschwerden sollten immer ärztlich abgeklärt werden. Das gilt insbesondere, wenn die Beschwerden sehr stark sind, länger bestehen oder immer wieder auftreten. Auch bei Begleitsymptomen wie Fieber oder einem starken Krankheitsgefühl sollte man sich mit einem Arzt in Verbindung setzen. Weitere Warnsingale sind z. B. ein ungewollter Gewichtsverlust, andauernder Appetitmangel, ausgeprägte Müdigkeit sowie Blut im Stuhl.

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Ballaststoffarme Ernährung
Viel tierisches Eiweiß und Fett
Zu viel Zucker
Medikamente ( v. a. Antibiotika)
Alkohol und Nikotin
Stress
  • 1 Andresen V, Keller J, Pehl C, Schemann M, Preiss J, Layer P: Clinical practice guideline: Irritable bowel syndrome—the main recommendations. Dtsch Arztebl Int 2011; 108(44): 751–60.