Durchfall nach Antibiotika

Durchfall nach Antibiotika

So gut Antibiotika gegen Bakterien wirken, so unangenehm können die Nebenwirkungen sein. Speziell Durchfall tritt häufig auf. Ein Grund: Die Medikamente können unsere Darmflora aus dem Gleichgewicht bringen.

Antibiotika: Wie wirken sie?

Es ist eine der größten Erfolgsgeschichten der modernen Medizin: Seit der Erfindung von Antibiotika lassen sich bakterielle Infektionskrankheiten heilen, die zuvor sogar lebensbedrohlich sein konnten. Denn die Arzneimittel bekämpfen Bakterien – entweder, indem sie diese abtöten (bakterizide Wirkung) oder indem sie ihre Vermehrung hemmen (bakteriostatische Wirkung).

Doch so wirksam die Medikamente gegen Bakterien sind, so unangenehm können auch ihre Nebenwirkungen sein. Speziell Durchfall tritt in Zusammenhang mit der Einnahme so häufig auf, dass Mediziner hierfür sogar einen eigenen Begriff verwenden: Antibiotika-assoziierte Diarrhö (AAD).

Antibiotika-assoziierte Diarrhö: Was ist das eigentlich?

Von einer AAD sprechen Ärzte, wenn es in Zusammenhang mit der Einnahme von Antibiotika zu Durchfall kommt, der nicht durch eine andere Ursache erklärt werden kann. Durchfall bedeutet dabei: Der Stuhl ist wässrig und Sie haben mehr als 3-mal pro Tag Stuhlgang. Eine AAD tritt je nach eingenommenem Antibiotikum unterschiedlich häufig auf – nämlich in rund 5 bis 25 Prozent der Fälle. Erste Magen-Darm-Beschwerden können sich schon kurz nach der ersten Antibiotika-Einnahme bemerkbar machen. Es können aber auch mehrere Wochen nach Absetzen des Antibiotikums vergehen, bevor es zu den Problemen kommt.

Typische Symptome bei AAD sind zum Beispiel:

  • Durchfall
  • Leichte Übelkeit und Bauchschmerzen
  • Appetitlosigkeit
  • Blähungen

Die Beschwerden können leicht ausgeprägt sein, es kann aber auch zu sehr starken Durchfällen kommen. Dann sollten Sie Ihren Arzt aufsuchen und ihm Ihre Symptome schildern.

Durchfall nach Antibiotika: Ursachen

Warum kommt es nach der Antibiotika-Einnahme so häufig zu Durchfall? In seltenen Fällen stecken hinter einer AAD allergische Reaktionen des Patienten auf das Medikament oder giftige (toxische) Wirkungen des Antibiotikums auf die Darmschleimhaut. Wesentlich häufiger liegen die beiden folgenden Ursachen zugrunde:

  • Direkte Wirkung des Arzneimittels: Einige Antibiotika beschleunigen die natürlichen Darmbewegungen.
  • Störung der normalen Darmflora (Dysbiose): Antibiotika greifen nicht nur krankheitserregende Bakterien an, sondern auch die „guten“ Darmbakterien.

Was ist eine Dysbiose?

Von einer Dysbiose sprechen Ärzte, wenn die Darmflora gestört ist. Das kann sich äußern durch:

  • eine verminderte Vielfalt an Darmbakterien und/oder
  • ein Ungleichgewicht der Bakterienstämme im Darm.

Durchfall nach Antibiotika: Welche Rolle spielt die Darmflora?

Oft entwickelt sich eine AAD aufgrund einer Störung der normalen Darmflora (Dysbiose). Denn Antibiotika unterscheiden nicht zwischen krankheitserregenden Bakterien und den guten, natürlichen Mikroorganismen in unserem Körper. Somit richtet sich die Wirkung der Arzneimittel auch gegen die nützlichen Bakterien in der Darmschleimhaut. Auf diese Weise kann das komplexe Gleichgewicht unserer Mikrobiota, also des fein aufeinander abgestimmten Miteinanders verschiedener Mikroorganismen in unserem Darm, durcheinandergeraten.

Zwei verschiedene Szenarien können dann dazu führen, dass es zu Durchfall kommt:

  • Der Stoffwechsel der Darmflora verändert sich: Antibiotika töten auch unsere nützlichen Darmbakterien ab. In der Folge verändert sich der Stoffwechsel der Darmflora. Konkret bedeutet das, dass zum Beispiel die Bildung von kurzkettigen Fettsäuren zurückgeht. Diese Verbindungen stimulieren normalerweise die Aufnahme von Wasser und Elektrolyten durch die Darmwand in den Körper. Wenn sie nicht mehr in ausreichender Menge vorliegen, verbleiben Wasser und Elektrolyte im Darm – es kommt zu Durchfall. Hinzu kommt, dass unsere Darmbakterien normalerweise auch die Gallensäuren abbauen, die für die Verdauung von Fetten gebraucht werden. Reichern sich die Gallensäuren im Darm an, weil nicht mehr ausreichend Darmbakterien vorhanden sind, kann dies ebenfalls Durchfall hervorrufen.
  • Krankheitserreger nehmen überhand: Da Antibiotika immer auch „gute“ Darmbakterien zerstören, kann es passieren, dass diese plötzlich in zu geringem Maße vorhanden sind, um krankmachende Mikroorganismen erfolgreich abzuwehren. Dann können zum Beispiel Hefepilze (Candida albicans), Staphylokokken oder Clostridien (Clostridium difficile) den Darm regelrecht überwuchern. Auch das kann Durchfall zur Folge haben. So werden beispielsweise bis zu 20 Prozent der Antibiotika-assoziierten Durchfälle durch Clostridien verursacht. Häufig kommt es dabei zu schweren Durchfällen, teilweise auch begleitet von Fieber.

Gut zu wissen: Es gibt Hinweise darauf, dass die wiederholte Einnahme von Antibiotika sich langfristig auf die Zusammensetzung der Bakterien im Darm auswirkt.

Durchfall nach Antibiotika: Was hilft?

Wenn es zu unangenehmen Nebenwirkungen während der Antibiotika-Therapie kommt, verständigen Sie Ihren Arzt und besprechen Sie mit ihm das weitere Vorgehen. Das gilt insbesondere bei schweren Durchfällen oder wenn Fieber auftritt. Ihr Arzt wird Ihnen unter Umständen ein anderes Antibiotikum verordnen. Auf eigene Faust sollten Sie das jeweilige Medikament aber niemals absetzen. Denn andernfalls kann es passieren, dass die krankheitserregenden Bakterien sich wieder ausbreiten – und im schlimmsten Fall sogar Resistenzen gegen bestimmte Antibiotika entwickeln. Die Arzneimittel können dann nichts mehr gegen die Erreger ausrichten.

Grundsätzlich gilt bei Behandlung der AAD:

  • Gleichen Sie Flüssigkeits- und Elektrolytverluste rasch aus, um einer Dehydratation (Austrocknung) vorzubeugen. Trinken Sie daher viel, zum Beispiel stilles Wasser und Kräutertee. Hilfreich kann auch die Einnahme spezieller Glucose-Elektrolytlösungen aus der Apotheke sein.
  • Herkömmliche Durchfallmittel (z. B. Loperamid) sind bei AAD in der Regel nicht geeignet. Fragen Sie daher bei Durchfällen in Zusammenhang mit der Antibiotika-Einnahme immer Ihren Arzt oder Apotheker um Rat, bevor Sie zusätzliche Medikamente nehmen.
  • Steckt eine Infektion mit Clostridien hinter dem Durchfall, ist oftmals eine zusätzliche Antibiotikatherapie notwendig, um die Clostridien zu bekämpfen.
  • Probiotika können die Regeneration und den Aufbau der Darmflora nach der Antibiotika-Einnahme unterstützen. Entsprechende Präparate enthalten Mikroorganismen, die auch in der natürlichen Darmflora vorkommen. Die Einnahme kann dazu beitragen, dass sich die „guten“ Bakterien im Darm schneller erholen und somit krankmachende Keime keine Chance haben, die Darmflora zu überwuchern. Laut der medizinischen Leitlinie „Akuter Durchfall“ der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) kann die Einnahme von Probiotika wie Laktobazillen und bestimmten Hefekulturen (z. B. Saccharomyces boulardii) die Krankheitsdauer um etwa einen Tag verkürzen.

Gut zu wissen: Studien zufolge lässt sich das Risiko einer AAD durch die Gabe von Probiotika schon während der Antibiotika-Therapie signifikant senken. Als wirksam haben sich dabei unter anderem die Hefekultur Saccharomyces boulardii, Laktobazillen sowie Kombinationen verschiedener Probiotika erwiesen.

Darmflora aufbauen nach Antibiotika: Tipps

Auf die richtige Ernährung achten

Die beste Grundlage für eine stabile Darmflora ist eine gesunde, abwechslungsreiche Ernährung mit reichlich pflanzlicher Kost. Zusätzlich können Sie Ihre guten Darmbakterien mit löslichen Ballaststoffen – sogenannten Präbiotika – regelrecht „anfüttern“. Zu den Präbiotika zählen unter anderem die Ballaststoffe Inulin, Frukto-Oligosaccharide und Galakto-Oligosaccharide. Sie stecken in vielen Gemüse- und Obstsorten – zum Beispiel in Chicorée, Artischocken, Topinambur, Knoblauch, Bananen und Weizen. Hilfreich können auch sogenannte probiotische Lebensmittel wie Joghurt, Sauerkraut oder Kefir sein.

Probiotika

Probiotische Lebensmittel enthalten lebende Bakterienkulturen mit besonderen gesundheitsfördernden Effekten, die auch natürlicherweise in unserem Darm vorkommen. Das Problem: Bislang weiß man nicht, wie viele der Mikroorganismen überhaupt im Darm ankommen – denn sie müssen zunächst den Magen passieren, wo die Magensäure in der Regel sämtliche Keime abtötet. Sogenannte Probiotika – Präparate, die nützliche Mikroorganismen in meist hoher Dosierung enthalten – bieten in der Regel den Vorteil, dass sie magensaftresistent sind. In Studien haben sie sich als hilfreich erwiesen, um die Darmflora im Rahmen einer Antibiotikatherapie wieder ins Lot zu bringen. Aus diesem Grund gehen mittlerweile viele Ärzte dazu über, Probiotika direkt zum Antibiotikum zu verordnen.

Stress vermeiden

Nicht nur Antibiotika setzen unseren Darmbakterien zu. Auch Stress kann die Darmflora aus dem Gleichgewicht bringen – das gilt umso mehr nach einer Antibiotika-Therapie, die ohnehin schon eine Belastung für den Darm darstellt. Sorgen Sie daher gut für Ihre innere Balance und achten Sie auf ein Gleichgewicht aus Anspannung und Entspannung in Ihrem Alltag. Legen Sie zum Beispiel ausreichend Ruhepausen ein und nehmen Sie sich in Ihrer Freizeit genügend Zeit für sich selbst. Das ist nicht nur gut für Ihre Darmgesundheit, sondern auch für Ihr allgemeines Wohlbefinden.

Erfahren Sie hier mehr rund um das Thema Darm & Stress.

In Bewegung kommen

Sobald Sie sich richtig fit fühlen, sollten Sie wieder mit sanfter Bewegung beginnen. Denn wer sich bewegt, bringt auch den Darm in Schwung. Zusätzlich hilft Sport beim Stressabbau. Beides ist wichtig für die Darmgesundheit. Beginnen Sie doch zunächst mit Spaziergängen und steigen Sie dann langsam wieder in Ihr Alltagstraining ein. Sie sind ein Sportmuffel und haben sich schon vor der Antibiotika-Einnahme kaum bewegt? Das sollten Sie ändern! Überlegen Sie sich, welche Sportart Ihnen Freude bereiten könnte und probieren Sie es einfach mal aus. Ob Wassergymnastik, Kampfsport oder Tanzen: Wichtig ist, dass Sie am Ball bleiben. Und das funktioniert am besten, wenn Sie mit Spaß bei der Sache sind.

Bei Darmbeschwerden zum Arzt

Wenn es während oder nach der Antibiotika-Einnahme zu unangenehmen Beschwerden kommt, sollten Sie auf jeden Fall Rücksprache mit Ihrem Arzt halten. Das gilt insbesondere bei schweren Durchfällen, starken Bauchschmerzen oder wenn Fieber auftritt. Wichtig: Auch Durchfall, der Wochen nach der Behandlung auftritt, kann noch mit der Antibiotika-Einnahme zusammenhängen.

Gut zu wissen: Manchmal, nämlich wenn Bakterien vom Typ Clostridium difficile den Darm überwuchern, kann eine erneute Therapie mit einem speziellen Antibiotikum notwendig sein, um den Durchfall zu behandeln.

Hätten Sie's gewusst?

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Durchfall nach Antibiotika: Wann zum Arzt?

Einfach abwarten oder doch lieber zum Arzt gehen? Diese Frage stellen sich viele Patienten, wenn während oder nach der Antibiotika-Einnahme Durchfall auftritt. In folgenden Fällen ist ein Arztbesuch auf jeden Fall ratsam:

  • Bei sehr schweren, wässrigen Durchfällen
  • Bei zusätzlichen Symptomen wie Fieber, starken Bauchschmerzen oder Übelkeit
  • Wenn Durchfall nach der Antibiotika-Therapie länger als zehn Tage anhält
  • Wenn bei chronisch Kranken oder älteren Menschen Durchfall im Rahmen einer Antibiotika-Therapie auftritt
  • Wenn Sie das Antibiotikum aufgrund Ihrer Beschwerden absetzen möchten