Blähungen

Blähungen

Jeder kennt es, keiner spricht darüber: Pupsen ist ganz normal. Aber was, wenn man ständig aufgebläht ist? Lesen Sie hier, was hinter Blähungen stecken kann, was wirklich hilft und welche Rolle die Darmflora spielen kann.

Blähungen: Warum pupsen wir überhaupt?

Auch wenn es keiner zugeben möchte: Jeder Mensch pupst – das ist ganz normal. Passiert das jedoch sehr häufig, spricht man von Blähungen (medizinisch: Flatulenz). Sind diese sehr stark und treten sie quasi ständig auf, ist das vielen nicht nur peinlich. Die anhaltenden Beschwerden können auch zur echten Belastung werden, da sie unter anderem sehr schmerzhaft sein können. Aber wie kommt es überhaupt dazu, dass sich verstärkt Gas im Darm bildet?

Bei der Verdauung vergären unsere Darmbakterien bestimmte Nahrungsbestandteile. Dabei entstehen vor allem im Dickdarm stets Gase wie Kohlendioxid, Methan und Wasserstoff. Ein Großteil dieser Gase wird durch winzige Blutgefäße (Kapillargefäße) im Darm aufgenommen und abtransportiert. Wir atmen sie dann geruchlos über die Lunge aus. Der Rest der Gase entweicht über den After als Pups.

Manchmal kommt es jedoch zu einer übermäßigen Gasbildung im Darm. Diese kann sich äußern als:

  • Blähungen (Flatulenz): 10 bis 20 Pupse pro Tag sind ganz normal. Treten die „Darmwinde“ jedoch gehäuft auf oder sind sie sehr ausgeprägt, können sie für Betroffene zum Problem werden.
  • Blähbauch (Meteorismus): Betroffene fühlen sich regelrecht aufgetrieben, der Bauch spannt und kann auch sichtbar aufgebläht sein. Manche Patienten mit Blähungen berichten gar, dass sie abends zwei Kleidergrößen mehr haben als morgens.

Warum stinken Blähungen oft so?

Der Geruch von Blähungen, ebenso wie von Stuhl, wird hauptsächlich durch bakterielle Gärung verursacht. Werden bestimmte Bestandteile der Nahrung im Dickdarm vergärt (z. B. Proteine aus rotem Fleisch), wird das Gas Schwefelwasserstoff (H2S) freigesetzt. Dieses Gas wird zusammen mit anderen schwefelhaltigen Verbindungen primär für den Geruch von Blähungen verantwortlich gemacht.

Gut zu wissen: Die Art und Menge der Gase, die im Darm entstehen, hängt unter anderem von der Zusammensetzung der Darmflora ab.

Blähungen: Mögliche Ursachen

Drei Hauptursachen sind in den meisten Fällen dafür verantwortlich, wenn sich vermehrt Gas im Darm ansammelt:

  1. Verschluckte Luft (Aerophagie): Das geschieht vor allem dann, wenn man schnell und in Hektik isst oder während des Essens viel spricht. Aber auch kohlensäurehaltige Getränke, Trinken mit einem Strohhalm, Kaugummikauen und Rauchen können das Risiko erhöhen, Luft zu verschlucken.
  2. Bakterielle Gärung (Fermentation): Gelangen Nahrungsbestandteile unverdaut in den Dickdarm, werden sie dort von unseren Darmbakterien zersetzt. Dabei produzieren die Winzlinge Gase. Ist das Gasvolumen sehr hoch, kommt es zu Blähungen. Das kann zum Beispiel passieren, wenn man mehr Ballaststoffe aufnimmt, als man eigentlich gewohnt ist. Außerdem erhöht sich beispielsweise durch die bakterielle Gärung bestimmter kurzkettiger Zucker und Zuckeralkohole (sog. FODMAPs) die Produktion von Wasserstoff. Bei Menschen mit Verdauungsproblemen oder chronischen Darmerkrankungen (z. B. Reizdarmsyndrom) kann das zu Beschwerden führen.  
    Gut zu wissen: Auch wenn die Darmflora gestört ist, kann es dazu kommen, dass zu viele Gase im Darm freigesetzt werden.
  3. Verminderter Gasaustausch (Diffusion): Ein Großteil des im Darm produzierten Gases wird durch die Darmwand ins Blut abtransportiert und einfach wieder ausgeatmet. Wenn allerdings zu viel Luft im Bauch vorhanden ist, kann diese manchmal nur noch als Pups entweichen.
Blähungen: Häufige Auslöser
Zu hastiges Essen
Ballaststoffreiche Ernährung
Gestörte Darmflora
Kohlensäurehaltiges, Alkohol, Kaffee
Milch- und Fruchtzucker

Gut zu wissen: Blähungen sind meist harmlos, sie können aber auch die Folge einer Erkrankung (z.B. Reizdarmsyndrom, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, chronisch entzündliche Darmerkrankungen) sein. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie daher stets einen Arzt aufsuchen.

Blähungen & Darmflora: Zusammenhang

Wenn die Zusammensetzung der Bakterien in unserem Darm sich ändert (sog. Dysbiose) – und beispielsweise „schlechte“ Bakterien überhandnehmen – kann auch die Verdauung durcheinander geraten.

  • Unsere Darmbakterien regen unter anderem die natürliche Bewegung der Darmmuskulatur (Darmmotilität) an. Gerät die Darmflora aus der Balance, kann es passieren, dass der Darm langsamer arbeitet. Auch das kann zu Blähungen führen.
  • Die Art und Menge der Gase, die im Darm entstehen, hängt ebenfalls von der Zusammensetzung unserer Darmflora ab. Tummeln sich besonders viele gasbildende Bakterien in unserem Darm, kommt es häufiger zu Blähungen.
  • Gerät die Darmflora aus dem Gleichgewicht, kann es passieren, dass gasbildende Bakterien die Oberhand gewinnen. So können etwa viele Bakterienarten vom Stamm der Proteobakterien durch eine übermäßige Gasbildung verantwortlich für Blähungen sein. Bifidobakterien und Laktobazillen bilden hingegen weniger Gase.
  • Ist die Darmflora gestört, ist oft auch die Vielfalt der Bakterien im Darm vermindert. Dann kann es passieren, dass Nahrungsbestandteile nicht mehr ausreichend von den Darmbewohnern zersetzt werden und es somit zu Verdauungsstörungen mit einer vermehrten Gasbildung kommt.
  • Eine gestörte Darmflora kann auch zur Folge haben, dass Krankheitserreger die Oberhand gewinnen. Sie können ebenfalls Gase produzieren, die zu heftigen Blähungen führen. Zusätzlich treten bei solchen Infektionen meist auch weitere Darmbeschwerden wie Durchfall, Übelkeit und Bauchschmerzen auf.

Hinweis: Durch die Einnahme von Antibiotika kommt es häufig zu Störungen der Darmflora, sodass Blähungen keine Seltenheit sind. Oftmals treten zusätzlich Durchfälle auf (sog. Antibiotika-assoziierte Diarrhö). Bis das natürliche Gleichgewicht wieder hergestellt ist, kann es mehrere Wochen dauern.

Manchmal kann auch eine Fehlbesiedelung des Dünndarms schuld an den Beschwerden sein:

Während sich im Dickdarm Milliarden von Bakterien tummeln, finden sich im Dünndarm in der Regel nur wenige der Winzlinge – und normalerweise auch nur wenig Gas. Manchmal kann es jedoch passieren, dass Bakterien aus dem Dickdarm sich im Dünndarm ausbreiten und die dort natürlich vorkommenden Bakterien verdrängen. Die Dickdarm-Bakterien vergären dann im Dünndarm bereits Nahrungsbestandteile, sodass sich dort plötzlich größere Mengen an Darmgasen befinden. Das Problem: Der Dünndarm ist nicht auf große Gasmengen eingestellt, weshalb diese nicht vollständig über das Blut abtransportiert werden können. Und: Überschüssiges Gas kann nicht einfach als Pups entweichen. Die Folge: Die Wand des Dünndarms dehnt sich aus. Dadurch sieht der Bauch regelrecht aufgetrieben aus und es kommt häufig zu starken, krampfartigen Schmerzen.

Gut zu wissen: Eine Dünndarm-Fehlbesiedelung kann unter anderem beim sogenannten Reizdarmsyndrom vorkommen, aber auch bei Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Zöliakie oder chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa.

Blähungen: Was hilft?

Folgende Maßnahmen können helfen, Blähungen zu reduzieren:

  • Richtig essen: Das Wichtigste ist, dass Sie langsam und bewusst essen. So vermeiden Sie es, übermäßig Luft zu schlucken. Nehmen Sie zudem besser mehrere, leicht verdauliche Mahlzeiten zu sich anstatt weniger, üppiger Portionen.
  • Auf den Bauch hören: Möglicherweise werden die Blähungen von bestimmten Lebensmitteln ausgelöst. Vermuten Sie eine Nahrungsmittelunverträglichkeit oder -allergie, sollten Sie einen Arzt zurate ziehen. Tipp: Als allgemein wenig blähend gilt die Mittelmeerkost.
  • Beruhigende Tees: Kümmel, Fenchel, Anis & Co. können den Bauch beruhigen, da sie unter anderem krampflösend wirken können.
  • Bewegung: Am besten sollten Sie jeden Tag mindestens 30 Minuten lang aktiv sein – egal, ob Sie Joggen, Radfahren oder einfach Spazierengehen. Denn Bewegung unterstützt die natürliche Darmbewegung und kann dazu beitragen, dass Darmgase leichter abgehen.
  • Bauchmassage: In kreisenden Bewegungen sanft den Unterbauch massieren – was bei Babys hilft, unterstützt auch bei Erwachsenen die Darmtätigkeit. Zusätzlich ist es so auch möglich, „festsitzende“ Pupse zu lösen.
  • Für Entspannung sorgen: Unter Dauerstress gerät die Verdauung ins Stocken. Blähungen können die Folge sein. Planen Sie bewusst Phasen der Entspannung ein. Entspannungsmethoden wie Autogenes Training oder die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson können zusätzlich helfen, den Stress-Pegel zu senken.

Darüber hinaus können folgende Mittel bei Blähungen hilfreich sein:

  • Entschäumer: Reichen die genannten Maßnahmen nicht aus, können bestimmte Arzneimittel, sogenannte Entschäumer (z. B. Simeticon) helfen. Sie zerstören die Schaumblasen im Darm, in die die blähenden Gase eingeschlossen sind. Diese können dann entweichen.
  • Probiotika: Präparate mit lebenden Darmbakterien können immer dann helfen, wenn Blähungen aufgrund einer Dysbiose, also einem Ungleichgewicht der Bakterien in unserem Darm, auftreten. Das kann unter anderem passieren, wenn Sie sich ungesund ernähren. Aber auch Stress, Bewegungsmangel oder die Einnahme bestimmter Medikamente (z. B. Antibiotika) können unsere Mikrobiota aus dem Gleichgewicht bringen.
  • Antibiotika: Im Fall einer Fehlbesiedelung des Dünndarms mit Bakterien kann eine Behandlung mit Antibiotika sinnvoll sein, um die unerwünschten Dickdarm-Bakterien abzutöten und somit die lästigen Blähungen loszuwerden. Viele Ärzte empfehlen mittlerweile, im Anschluss an die Behandlung mit Antibiotika die Darmflora mithilfe von Probiotika wieder aufzubauen.
Tipps bei Blähungen
Langsam essen
Ernährung umstellen
Beruhigende Tees (z.B. Fenchel, Anis, Kümmel)
Bauch massieren
Regelmäßig bewegen
Entspannungspausen einplanen
Darmflora aufbauen
Im Zweifel zum Arzt

Hätten Sie's gewusst?

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Blähungen: Wann zum Arzt?

In der Regel sind Blähungen harmlos. Nur in seltenen Fällen steckt eine ernsthafte Erkrankung hinter den lästigen Beschwerden. Daher lassen sich Blähungen meist mit oben genannten Maßnahmen selbst in den Griff bekommen.

Zum Arzt gehen sollten Sie, wenn…

  • … Blähungen plötzlich auftreten und sehr quälend sind
  • … die Blähungen über einen längeren Zeitraum hinweg anhalten
  • … Blähungen mit starken Bauchschmerzen, verändertem Stuhlgang oder Erbrechen einhergehen
  • … Sie zusätzlich an Gewicht verlieren
  • … begleitend Fieber auftritt
  • … sich Blut im Stuhl befindet
  • … die Blähungen in bestimmten Situationen immer wieder auftreten
  • … Ihr Gesundheitszustand allgemein schlecht ist