Verstopfung

Verstopfung

Zu Beginn des Urlaubs oder nach einer üppigen Mahlzeit – fast jeder kennt Situationen, in denen der Darm für einige Zeit in Streik tritt. Hält die Verstopfung an, kann unter anderem auch unsere Darmflora schuld sein.

Chronische Verstopfung: Was ist das eigentlich?

Für viele Menschen ist Verstopfung nicht nur ein vorübergehendes Problem: Rund 15 Prozent aller Menschen in Europa leiden ständig daran. Die meisten von ihnen fühlen sich im Alltag stark dadurch beeinträchtigt, dass ihr Darm nur noch im Schneckentempo arbeitet. Aber ab wann ist eine Verstopfung überhaupt chronisch?

Mediziner sprechen von einer chronischen Verstopfung (Obstipation), wenn…

  • … der Darm weniger als 3-mal pro Woche entleert werden kann und/oder
  • … unbefriedigende Stuhlentleerungen seit mindestens drei Monaten bestehen sowie zusätzlich in mindestens einem Viertel der Fälle zwei der folgenden Leitsymptome auftreten:

    • Der Stuhl ist hart oder klumpig
    • Starkes Pressen ist notwendig
    • Es muss mit der Hand nachgeholfen werden
    • Gefühl einer unvollständigen Entleerung
    • Eindruck, dass der Darmausgang blockiert ist

Wichtig: Eine Verstopfung kann auch vorliegen, wenn Sie täglich Stuhlgang haben – nämlich dann, wenn das nur auf oben genannte, unangenehme Art und Weise möglich ist.

Verstopfung & Darmflora: Zusammenhang

Die Darmflora erfüllt wichtige Aufgaben in unserem Körper. Unter anderem spielen die Darmbakterien eine wichtige Rolle für unseren Stoffwechsel und somit für eine normale Verdauung.

Gerät das sensible Gleichgewicht unserer Darmflora durcheinander, kann das die Verdauung empfindlich beeinträchtigen – und unter anderem auch zu chronischer Verstopfung führen.

Denn unsere Darmbakterien

  • … unterstützen die Verdauung, indem sie für uns unverdauliche Nahrungsbestandteile (z. B. in Ballaststoffen) aufspalten und verwerten.
  • … stimulieren die natürlichen Bewegungen der Darmmuskulatur (Darmmotilität).
  • … fördern den Darmstoffwechsel.
  • … regen die Durchblutung der Darmschleimhaut an.
Das schadet der Darmflora
Ballaststoffarme Ernährung
Viel tierisches Eiweiß und Fett
Zu viel Zucker
Medikamente ( v. a. Antibiotika)
Alkohol und Nikotin
Stress

Verstopfung: Mögliche Ursachen

Im Durchschnitt ist der Darm bei erwachsenen Menschen rund 6 Meter lang. Kein Wunder, dass es auf dieser langen Passage beim Transport unserer Nahrung aus verschiedenen Gründen manchmal zu einem regelrechten Stau kommen kann.

Die häufigste Ursache sind Funktionsstörungen des Darms:

  • Stark verlangsamte Bewegung des Dickdarms: Wenn der Dickdarm nur langsam arbeitet, können sich dort die Verdauungsprodukte aus dem Dünndarm stauen. Geschieht das, wird dem Stuhl zusätzlich durch die lange Verweildauer Wasser entzogen. Er wird fest und hart. Zu einer solchen verlangsamten Bewegung des Darms kann es unter anderem auch aufgrund einer gestörten Darmflora kommen – denn die Darmbakterien stimulieren normalerweise die natürlichen Bewegungen der Darmmuskulatur.
  • Blockierter Enddarm: Betroffene können den Stuhl nicht oder nur mit Mühe entleeren (sog. Entleerungsstörung).

Gut zu wissen: In beiden Fällen kann es sein, dass keine organische Ursache für die Verstopfung feststellbar ist. Dann handelt es sich um eine sogenannte funktionelle Obstipation.

Weitere mögliche Ursachen im Überblick:

Parkinson, Demenz, Schlaganfall oder Depressionen: Bei Erkrankungen der Nerven oder der Psyche kann es zu chronischer Verstopfung kommen. Kein Wunder, immerhin hängen „Kopfhirn“ und „Bauchhirn“ eng zusammen.

Gerät das hormonelle Gleichgewicht im Körper durcheinander, hat das auch Einfluss auf unseren Darm. Denn Hormone steuern neben vielen weiteren Körperfunktionen auch unsere Verdauung. Zu Verstopfung kommt es zum Beispiel häufig bei einer Schilddrüsenunterfunktion – bei Frauen zudem in der in der zweiten Hälfte des Menstruationszyklus, im letzten Schwangerschaftsdrittel und wenn sie hormonelle Verhütungsmittel einnehmen.

Vor allem ein Kalziumüberschuss beziehungsweise ein Kaliummangel können die Signalübertragung vom Nerv zum Muskel stören. Das zeigt sich unter anderem in einer trägen Darmmuskulatur, die wiederum zu Verstopfung führen kann.

Diabetiker haben oft mit einer trägen Verdauung zu kämpfen. Denn zu hohe Blutzuckerwerte greifen neben den Blutgefäßen unter anderem die Nerven an – auch im Magen-Darm-Trakt. Das wiederum kann die Beweglichkeit des Darms (sog. Darmmotilität) beeinträchtigen.

Zu den Arzneimitteln, die die Verdauung bremsen können, zählen unter anderem Mittel gegen Sodbrennen, Herzmedikamente wie Betablocker, Entwässerungstabletten (Diuretika), Schlafmittel, Antidepressiva und starke Schmerzmittel (Morphin). Einige Medikamente (z. B. Mittel gegen Sodbrennen, Antidepressiva) können zudem die Darmflora beeinträchtigen, was ebenfalls Verstopfung zur Folge haben kann.

Insbesondere die sogenannte Amyloidose (Stoffwechselerkrankung, bei der sich Eiweißablagerungen im Körper bilden) sowie Kollagenosen (chronische Bindegewebserkrankungen) können mit chronischer Verstopfung einhergehen. Aber auch viele Patienten mit Reizdarmsyndrom leiden häufig daran. Bei ihnen ist zusätzlich die Darmflora verändert.

Manchmal entstehen im Darm beispielsweise Ekzeme, Fisteln, Abszesse oder Hämorrhoiden. Blockieren sie den Darmausgang, kann das zum Problem werden. Manchmal ist dann eine Operation notwendig. Ekzeme, Fisteln und Abszesse bilden sich zum Beispiel öfter bei Patienten mit Morbus Crohn.

Verstopfung: Was hilft?

Tipps bei Verstopfung
Viel trinken
Ballaststoffreich essen
Regelmäßig bewegen
Stuhldrang nicht unterdrücken
Abführmittel (Laxanzien)
Darmflora aufbauen
Im Zweifel zum Arzt

Bei Verstopfung sind folgende Maßnahmen empfehlenswert:

  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr: Wer zu wenig trinkt, neigt eher zu Verstopfung. 1,5 bis 2 Liter pro Tag empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung – am besten eignen sich Wasser und ungesüßter Tee. Wichtig: Eine Steigerung der Trinkmenge über dieses Maß hinaus hilft in der Regel nicht gegen die Verstopfung.
  • Ballaststoffe: Achten Sie darauf, täglich mindestens 30 g Ballaststoffe (z.B. in Weizenkleie, Vollkornprodukten, Flohsamen, Leinsamen) zu sich zu nehmen – denn diese fördern die Verdauung. Bestimmte Ballaststoffe (z.B. in Topinambur, Chicorée, Artischocken) sind zudem ideales Futter für unsere winzigen Verdauungshelfer, die Darmbakterien. Sie werden auch als Präbiotika bezeichnet. Bei Patienten, die Abführmittel einnehmen, kann eine Erhöhung der Ballaststoffzufuhr den Bedarf an den Medikamenten verringern.
  • Regelmäßige Bewegung: Körperliche Aktivität regt die Verdauung an und kann auch den Darm in Schwung bringen. Allerdings gilt auch hier, ebenso wie beim Trinken: Sport über das normale Maß hinaus hat keinen positiven Einfluss auf die Verstopfung.
  • Auf den Bauch hören: Wer den Stuhldrang regelmäßig unterdrückt, neigt eher zu Verstopfung. Daher sollten Sie möglichst oft darauf hören, was Ihnen Ihr Darm sagen möchte – und zeitnah das stille Örtchen aufsuchen.
  • Probiotika: Präparate mit lebenden Darmbakterien werden von Medizinern vor allem bei der sogenannten funktionellen Obstipation (Verstopfung ohne erkennbare Ursache) empfohlen – der häufigsten Form der chronischen Verstopfung. In Studien konnten Probiotika die Stuhlfrequenz erhöhen und hatten zudem einen positiven Einfluss auf die Stuhlkonsistenz. Auch bei Verstopfung in der Schwangerschaft wurde eine Wirksamkeit der Präparate festgestellt, ebenso beim Reizdarmsyndrom vom Obstipationstyp.
  • Medikamente: Helfen allgemeine Maßnahmen wie regelmäßige Bewegung, ausreichende Flüssigkeitszufuhr und Ballaststoffe nicht, können sogenannte Laxanzien (Abführmittel) zum Einsatz kommen. Es gibt heutzutage viele verschiedene Wirkstoffe, die auch bei chronischer Verstopfung und in der Schwangerschaft angewendet werden können. Falls Sie denken, dass bei Ihnen Medikamente notwendig sind, ist es empfehlenswert, einen Facharzt (Gastroenterologe) um Rat zu fragen. Er kann mit Ihnen ein passendes Mittel finden.

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Verstopfung: Wann zum Arzt?

Wenn der Stuhlgang trotz allgemeiner Maßnahmen wie einer ballaststoffreicheren Ernährung und einer Erhöhung der Trinkmenge länger als vier Tage ausbleiben sollte, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Das gilt auch, wenn Sie trotz Einnahme eines Abführmittels den Darm länger als zwei Tage nicht entleeren können.

Gehen Sie außerdem zum Arzt, wenn eines der folgenden Warnsignale auftritt:

  • Ungewollter Gewichtsverlust
  • Abwechselndes Auftreten von Durchfall und Verstopfung
  • Abgang von Blut
  • Zusätzliche Symptome wie Fieber, Bauchschmerzen und Erbrechen

Wichtig: Streikt der Darm ganz plötzlich, ist das ein Alarmsignal. Das gilt insbesondere, wenn zusätzlich Symptome wie Übelkeit und Erbrechen oder Fieber auftreten, wenn der Bauch aufgebläht ist oder wenn starke Schmerzen bei Druck auf den Bauch bestehen. Solche Symptome können auf einen Darmverschluss hindeuten – ein Fall für den Rettungsdienst (Notruf: 112).